Künstlerbiografie von Robert Cummings
Der deutsche Geiger Ingolf Turban ist vor allem für seine temperamentvollen Interpretationen der Werke Paganinis bekannt. Er hat alle sechs Violinkonzerte und andere Werke Paganinis mit großem Erfolg eingespielt, aber seine Verbindung mit dem Komponisten erstreckt sich auch auf andere, etwas unerwartete Bereiche: Turban hat das von ihm gegründete Kammerorchester I Virtuosi di Paganini nach Paganini benannt und trat in Deutschland in einer Fernsehdokumentation mit dem Titel Paganinis Geheimnis auf, in der er den Komponisten spielte. Trotz seiner Hingabe an Paganini verfügt Turban über ein umfangreiches Repertoire mit Werken von Mozart, Schumann, Joachim Raff, Ysaÿe, Wieniawski, Bruch, Reinecke, Respighi, Kreisler und weniger bekannten Komponisten wie Joseph Achron und Camillo Sivori. Er konzertierte in ganz Europa und den USA und hat über 30 Aufnahmen gemacht, von denen die meisten bei Telos, Hänssler Classic und Claves erhältlich sind.
Ingolf Turban wurde am 17. März 1964 in München, Deutschland, geboren. Seine Mutter war Pianistin. Ab seinem 12. Lebensjahr studierte er bei Gerhard Hetzel, später waren Jens Ellermann und Dorothy DeLay seine Lehrer. Er absolvierte ein Studium an der Hochschule für Musik in München. 1985 wurde Turban als Konzertmeister zu den Münchner Philharmonikern unter Celibidache berufen. Sein Solodebüt mit dem MPO gab er 1986. 1988 verließ Turban seinen Posten als Konzertmeister, um eine Solokarriere zu starten.
Er hatte sofort Erfolg und tourte durch Deutschland und Teile Europas. Das Jahr 1991 war ein Wendepunkt: Er debütierte an der Scala und gab dann sein US-Debüt im Kennedy Center in Washington, D.C. Außerdem erschien in diesem Jahr Turbans gefeierte Aufnahme von Tartinis fünf Sonaten für Violine und Basso continuo bei Claves. Ab 1995 war Turban Professor für Violine an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Im März 2000 begann Turban mit der Einspielung seiner vielbeachteten Paganini-Konzerte, die im folgenden Jahr bei Telos erschienen.
Im Jahr 2005 gründete Turban I Virtuosi di Paganini, ein kammermusikalisches Streicherensemble, das sich den Werken Paganinis und anderer Komponisten seiner Zeit widmet. Im folgenden Jahr verließ Turban seine Stuttgarter Stelle und nahm eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater München an. Im Jahr 2006 spielte Turban in dem Film Paganinis Geheimnis, der 2007 in der ARD ausgestrahlt wurde, mit und fungierte als musikalischer Berater. Im selben Jahr brachte Turban zusammen mit dem Gitarristen Adriano Sebastiani sechs damals neu entdeckte Werke von Paganini für Gitarre und Violine zur Uraufführung, die Sei Cantabile e Valtz. Zu Turbans vielbeachteten Aufnahmen gehört seine 2011 bei Telos erschienene CD mit drei Sonaten von Schumann und Werken von Ferdinand David.